Neueste Meldungen des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache:


Der Sammelband „Die Sprache von Forschung und Lehre - Lenkung durch Konzepte der Ökonomie?" ist erschienen.

 

Dieser Band entstand auf der Grundlage der gleichnamigen Tagung, die als Kooperationsprojekt des ADAWIS, der Akademie für Politische Bildung sowie des Zentrums für Europäische Bildung an der Universität Zagreb im Februar 2018 in Tutzing stattfand (siehe weiter unten). Die Beiträge diskutieren kontrovers die Frage, inwiefern die zunehmende Dominanz des Englischen als Sprache von Forschung und Lehre mit einer fortschreitenden Ökonomisierung des Wissenschaftsbetriebs zusammenhängt - und welche Folgen diese Veränderungen für den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess, aber auch für die Gesellschaft als Ganzes haben. Der Band ist in der Reihe „Tutzinger Studien zur Politik" erschienen und im Buchhandel oder hier erhältlich. Auch elektronisch ist der Titel verfügbar.

U. Münch, R. Mocikat, S. Gehrmann, J. Siegmund (Hrsg.):  „Die Sprache von Forschung und Lehre - Lenkung durch Konzepte der Ökonomie?" Nomos-Verlag, Baden-Baden 2020. ISBN 978-3-8487-6111-1


Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten
Oder: Wer sagt, Deutsch solle als Wissenschaftssprache nicht überleben, sollte wenigstens über ausreichende Englischkenntnisse verfügen.

 

Gerade in Zeiten wie denen der Coronavirus-Pandemie wird deutlich, wie wichtig verständliche Sprache für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Laienöffentlichkeit ist. Hierbei kann der Virologe Christian Drosten den meisten seiner Kollegen ein Vorbild sein. Seine Fähigkeit, Fakten zu erklären und dabei auch für die Ambiguität wissenschaftlicher Erkenntnis zu sensibilisieren, schafft Vertrauen.

Seit Tagen schwelt nun ein Konflikt zwischen Drosten und seinem Virologen-Kollegen Kekulé, der eine Vorab-Veröffentlichung Drostens heftig kritisiert (obwohl er selbst rein gar nichts zu dem Thema publiziert hat). Laut Tagesspiegel vom 29. 5. 2020 schreibt Kekulé, dass Drosten behaupte, die Daten „belegen“, dass Covid-19-infizierte Kinder ähnlich ansteckend wie Erwachsene seien. Im Originaltext schrieb Drosten jedoch – vorsichtig, wie es seriöse Wissenschaft gebietet, die Daten würden „darauf hinweisen“ (englisch „indicate“).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich Kekulé (auch) als scharfer Verfechter für „English only“ in der Wissenschaft hervortut (hier nachzulesen). Offenbar scheinen allerdings seine eigenen Englischkenntnisse nicht weit zu reichen, sonst hätte er das englische Verb „indicate“ nicht so grundlegend falsch auffassen können.

Immer wieder beklagt der ADAWIS ein Absinken der Qualität des wissenschaftlichen Diskurses im Gefolge von „English only“. Kekulés falsche Übersetzung von „indicate“ ist dafür symptomatisch.


Endlich: Öffentliche Kritik an „English only" aus der Wissenschaft

 

Seit 1992 veröffentlicht die germanistische Abteilung der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb die deutschsprachigen „Zagreber Germanistischen Beiträge“ als Jahrbuch (https://zgbde.ffzg.unizg.hr).

Der neueste Band (ZGB 28-2019) „Anglophonisierung der Wissenschaftssprache“ setzt sich kritisch mit einigen der erwartbaren oder bereits spürbaren Folgen der Anglophonisierung aller als „wissenschaftlich“ akzeptierten sprachlichen Äußerungsformen auseinander. Alle Beiträge lesen sich sehr flüssig bis spannend und sind mit jeweils deutscher und englischer Zusammenfassung hier zu finden.


Die Bedeutung der Landessprache in der Lehre - Neues Diskussionspapier des Hochschullehrerbundes


Der Hochschullehrerbund (hlb) hat am 13. 12. 2019 ein bemerkenswertes Diskussionspapier veröffentlicht. Darin wird eindrücklich klargestellt, wie wichtig neben dem Fremdsprachengebrauch die Beibehaltung der Landessprache in der Lehre ist.


Bayern: „English only“ jetzt auch im grundständigen Studium möglich!
Oder doch nicht?

 

Nach einem Grundsatzschreiben des bayerischen Wissenschaftsministeriums aus dem Jahre 2016 konnte ein rein englischsprachiger Studiengang im grundständigen Bereich nur dann genehmigt werden, wenn er parallel auch in deutscher Sprache angeboten wurde. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) erscheint diese „geltende Rechtslage nicht mehr zeitgemäß“, er möchte daher bei der nun anstehenden Novellierung des Bayerischen Hochschulgesetzes auch im grundständigen Bereich fremdsprachige Studiengänge ermöglichen.

In einem Schreiben vom 30. 9. 2019 an die Präsidien aller staatlichen Hochschulen in Bayern, welches dem ADAWIS vorliegt, stellt der Minister mit Blick auf die Dauer des Gesetzgebungsverfahrens diesen „anheim, bereits im Vorgriff auf die beabsichtigte Gesetzesänderung fremdsprachige Studiengänge auch im grundständigen Bereich einzuführen“. Da jedoch Fremdsprachenkenntnisse mangels Rechtsgrundlage nicht als Zulassungsvoraussetzung verlangt werden könnten, müsse „bis zur Gesetzesänderung auf die Selbsteinschätzung der Studienbewerberinnen und –bewerber vertraut werden“.

Da die Novelle des Hochschulgesetzes noch lange nicht verabschiedet ist, hat der ADAWIS bei allen bayerischen Hochschulleitungen angefragt, ob sie dem Vorschlag des Ministers jetzt schon folgen werden. Interessanterweise zeigte sich, dass gerade Fachhochschulen und unter diesen eher diejenigen, welche an peripheren Standorten angesiedelt sind, die Pläne des Ministers begierig aufgreifen. Mehr Informationen zu der verfassungsrechtlichen Problematik von Studiengängen, die nicht mehr in der Landessprache studiert werden können, finden Sie hier.

Allerdings scheinen sich im Landtag Bedenken gegen die Pläne zu formieren. Dieser forderte die bayerische Staatsregierung laut Landtagsdrucksache 18/8462 vom 17. 6. 2020 dazu auf, mit der Novelle des Hochschulgesetzes dafür zu sorgen, dass Deutsch als Wissenschafts- und Verkehrssprache in allen Studiengängen weiterhin (oder erneut) gebührend und verpflichtend Beachtung findet. Die entsprechende Beschlussvorlage vom 22. 4. 2020 hatte der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des bayerischen Landtages mit den Stimmen von CSU, SPD, B90/Grünen und der Freien Wähler, jedoch gegen die der AfD, in den Landtag eingebracht; die FDP hatte sich im Ausschuss enthalten.


Die Landessprache in der Lehre – welche Bedeutung kommt ihr bei der Internationalisierung zu?
von Olga Rösch, Günter Tolkiehn, Ralph Lehnert

 

Mit dieser Frage beschäftigt sich ein lesenswerter Artikel, der in der Zeitschrift Die Neue Hochschule, dem Organ des Hochschullehrerbundes (hlb), erschien. Die Autoren analysieren sehr scharfsinnig den Irrtum, dem unsere Hochschulen erliegen, wenn sie den von uns allen gewünschten interkulturellen Austausch durch die Einführung des Englischen als Lehrsprache erreichen wollen. Die Abschaffung der Landessprache in der Hochschule hat dramatische Konsequenzen für die Qualität der Lehre, für den Zusammenhalt der Gesellschaft, für das interkulturelle Verständnis sowie für die Integration der Absolventen, die bei uns bleiben wollen.

Fazit: Internationalisierung und Landessprachen – Hochschullehre braucht beides!

Wenn Sie den Text weiterverwenden möchten, beachten Sie bitte die Quelle (DNH 6/2019, S. 12-15) sowie die lizenzrechtlichen Hinweise!


Praxis der Internationalisierung an den öffentlichen Hochschulen - da läuft etwas falsch!

 

Als Reaktion auf einen aufrüttelnden Bericht, dem zufolge öffentliche Hochschulen aufgrund völlig falsch verstandener Internationalisierungsstrategien sogar qualitative Einbußen in Kauf nehmen, richtete der ADAWIS im November 2017 einen Brief an die in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) vertretenen, für die Bildungs- und Hochschulpolitik der Länder verantwortlichen Landesminister/Senatoren sowie an das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Der ADAWIS kritisierte darin scharf die oberflächliche Praxis der Internationalisierung der öffentlichen Hochschulen. Die Antworten der Länder waren zum großen Teil ernüchternd: Der Politik genügt es, wenn sich die Hochschulen auf „English only“ beschränken, statt fachspezifische Konzepte für mehrsprachige Lehre einschließlich verbindlicher Sprachlernmodule zu entwickeln. Aus Sicht der Länder scheinen negative Folgen dieser Praxis für die Qualität der Lehre sowie die Integration ausländischer Absolventen in den deutschen Arbeitsmarkt nicht zu existieren.

Lesedauer: 10 Minuten (4 Seiten)


Gastkommentar des ADAWIS in der Deutschen Universitätszeitung

 

In einem Gastkommentar in der Deutschen Universitätszeitung (DUZ), Ausgabe 8 (2018), schreibt Hermann H. Dieter für den ADAWIS über Mehrsprachigkeit als erkenntnisleitenden Mehrwert. Um in der Lehre Internationalität zu leben, ist auch Deutsch wichtig. Nur auf Englisch zu setzen, behindere dagegen die wissenschaftliche und kulturelle Integration. Hier geht es zu dem Artikel „English only" - ist das zeitgemäß?


Klage gegen niederländische Universitäten

 

Die Vereinigung Beter Onderwijs Nederland (BON) hat Klage gegen zwei niederländische Universitäten eingereicht, um ein weiteres Überhandnehmen rein englischsprachiger Studiengänge zu unterbinden. Das Gericht wird nun einen Untersuchungsbericht des Ministeriums abwarten, der die Gesetzeskonformität der Sprachregelung der Hochschulen bewerten soll. Die Vereinigung BON sieht das als ersten Erfolg an. Auch die niederländische Bildungsministerin hatte bereits Maßnahmen gegen die immer vollständigere Verdrängung der Landessprache aus der Lehre gefordert.

Näheres zum Rechtsstreit in den Niederlanden können Sie hier nachlesen.


Die Sprache von Forschung und Lehre: Lenkung durch Konzepte der Ökonomie?
Tagung des ADAWIS zusammen mit der Akademie für Politische Bildung Tutzing und dem Zentrum für Europäische Bildung der Fakultät für Lehrerbildung der Universität Zagreb, Tutzing, 26. - 27. Februar 2018

 

Diese hochkarätig besetzte Tagung in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing ging der Frage nach, inwieweit die Anglophonisierung der Wissenschaft damit zusammenhängt, dass Konzepte, die aus dem Bereich der Wirtschaft stammen, immer mehr Einzug in Forschung und Lehre halten. Eine zunehmende Marktorientierung" von Hochschulen und Forschungseinrichtungen bedeutet Wettbewerb um Personal, Studenten, Geld und Reputation. Die Schaffung unternehmerischer Kategorien von Wissenschaft, die mit Maßstäben der Ökonomie durchgeführte Quantifizierung wissenschaftlicher Leistung und die Uniformierung der wissenschaftlichen Kommunikation könnten eng aufeinander bezogen sein.

Hier finden Sie den Tagungsbericht auf den Seiten der Akademie für Politische Bildung und hier einen Bericht des Zentrums für Europäische Bildung der Universität Zagreb. Ein ausführlicher Tagungsband mit Beiträgen sämtlicher Referenten und Diskutanten ist im Nomos-Verlag erschienen.

Sowohl der Bayerische Rundfunk (auf BR 2 sowie BR 5) als auch der SWR berichteten über das Ereignis.

Eine lesenswerte übergreifende Bewertung der Tagung bietet der Aufsatz „Zum Diskurs über die Sprache in der Wissenschaftskommunikation" von O. Rösch und G.-U. Tolkiehn, welcher in Heft 4 (2018) der Zeitschrift Die Neue Hochschule erschien.

Quelle: ADAWIS

Die Tutzinger Forderungen zur Sprache der Lehre an deutschen Hochschulen

 

Aus Anlass der Tagung an der Akademie für Politische Bildung formulierte der ADAWIS eine Erklärung, in der namhafte Unterzeichner die Hochschulen auffordern, sämtliche Studiengänge auch in deutscher Sprache anzubieten. Hierzu gab der ADAWIS auch eine Pressemitteilung heraus.


Petition zum Schutz der italienischen Sprache

 

Nach dem aufsehenerregenden Verfassungsgerichtsurteil in Italien, das den ausschließlich in englischer Sprache angebotenen Studiengängen einen Riegel vorschob, haben die Initiatoren der Verfassungsklage eine Petition an den italienischen Staatspräsidenten verfasst. Sie fordern geeignete Maßnahmen, um die italienische Sprache in sämtlichen Bereichen zu schützen und zu fördern. Hier geht es zur deutschen Übersetzung der Petition und hier zur Unterschriftsseite.


„TU München will ganz modern sein - Brillante Idee oder Bullshit?"
Sendung des Bayerischen Rundfunks zur geplanten Einführung von Englisch als einziger Lehrsprache in den meisten weiterführenden Studiengängen

 

Der Bayerische Rundfunk beschäftigte sich am 27. Mai 2017 in einer Sendung mit dem Vorhaben der TU München, ab 2020 fast sämtliche weiterführenden Studiengänge nur noch auf Englisch anzubieten. Vertreter der Politik, der Studentenschaft und der Hochschulleitung kamen ebenso zu Wort wie der ADAWIS. Lesen Sie auch die zahlreichen Hörerkommentare zu dieser Sendung!


Schadet die an die Hochschulen überhandnehmende Anglophonie der mittelständischen Wirtschaft?
Veröffentlichung des ADAWIS in der Zeitschrift „Der Selbständige", Heft 7/8 (2017), S. 12

 

Studien haben gezeigt, dass ausländische Absolventen rein englischsprachiger Studiengänge oft gezwungen sind, Deutschland zu verlassen, weil sie während des Studiums an einer deutschen Hochschule die Landessprache und die nötigen Fachterminologien nicht gelernt haben. Sie haben daher kaum Chancen auf Integration in den Arbeitsmarkt der inländischen mittelständischen Wirtschaft, die andererseits dringend Fachkräfte sucht. Mit dem Bund der Selbständigen (BDS) hat sich nun auch ein Wirtschaftsverband dem Problem zugewandt und in seiner Zeitschrift Der Selbständige einen Artikel des ADAWIS veröffentlicht.