Aktuelles




Aufsehenerregendes Gerichtsurteil in Italien: Verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Einführung von Englisch als ausschließlicher Lehrsprache öffentlicher Hochschulen!

Die Technische Universität Mailand (Politecnico di Milano) hatte im Jahre 2012 beschlossen, in der Lehre und den Prüfungen sämtlicher weiterführender Studiengänge und Doktorandenprogramme nur noch die englische Sprache zuzulassen. Dagegen hatten etwa 100 Dozenten und Studenten der Universität Klage eingereicht.
Das zuständige Verwaltungsgericht der Lombardei gab der Argumentation der Beschwerdeführer am 26. März 2013 in sämtlichen Punkten Recht und annullierte den Beschluss der Technischen Universität Mailand.

icon Originalurteil des Verwaltungsgerichts der Lombardei ( Dateityp pdf 197.38 KB)

Die wesentlichen Argumente, mit denen die Verwaltungsrichter das Urteil begründeten, sind in der folgenden Pressemitteilung des ADAWIS zusammengefasst.
Außerdem finden Sie hier einen juristischen Kommentar, der das Urteil in eine Beziehung zur Situation in Deutschland setzt.

icon zur Pressemitteilung des ADAWIS vom 29. 7. 2013 ( Dateityp pdf 34.11 KB)

icon Kommentar zu dem Gerichtsurteil aus Mailand ( Dateityp pdf 14.94 KB)

Da die Universität und das für Hochschulen und Forschung zuständige Ministerium Einspruch einlegten, musste sich der Consiglio di Stato in seiner Funktion als oberstes Verwaltungsgericht mit der Sache beschäftigen. Dieser äußerte in seinem Urteil vom 22. 1. 2015 verfassungsrechtliche Einwände gegen das Gesetz, auf das sich die TU Mailand berief und das in deren Augen die Einführung von Englisch als alleiniger Lehrsprache erlaubt hätte, und legte den Fall daher dem Verfassungsgericht, der Corte Costituzionale, vor. Hier finden Sie

icon die wichtigsten Passagen des Urteils in deutscher Übersetzung ( Dateityp pdf 10.63 KB)

icon Macht Mailand München Mut? Ein Kommentar zu dem Urteil des Consiglio di Stato ( Dateityp pdf 19.33 KB)





Offener Brief des ADAWIS an Bundesministerin Wanka

In einem Interview mit der FAZ, in dem es um Defizite in der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit und die mangelnde Akzeptanz verschiedener Forschungsgebiete ging, forderte Bundesbildungsministerin Wanka am 26. 1. 2017, dass „Forscher, die mit viel Geld unterstützt werden, auch Publikationen herausbringen, in denen die Ergebnisse verständlich aufbereitet werden“.

In einem Offenen Brief an Frau Prof. Wanka, der auch an zahlreiche Zeitungsredaktionen sowie 54 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verteilt wurde, weist der ADAWIS darauf hin, dass der gesellschaftliche Diskurs über wissenschaftliche Themen allein schon dadurch beeinträchtigt wird, dass zahlreiche Forschungsgruppen ihre Internet-Seiten ausschließlich auf Englisch veröffentlichen und Jahresberichte, die auf die wissenschaftlichen Inhalte tiefer eingehen, oft nicht mehr in der Landessprache zur Verfügung gestellt werden.

Um einen ersten Schritt gegen Kommunikationsdefizite zu tun, gäbe es eine für das BMBF einfach und rasch umsetzbare Maßnahme: Das BMBF sollte z.B. die ihm unterstellten (außeruniversitären) Forschungseinrichtungen anweisen,

• den Internet-Auftritt aller ihrer Institute, Abteilungen und Arbeitsgruppen auf allen Ebenen grundsätzlich auch auf Deutsch anzubieten sowie
• für Jahresberichte, die Informationen auf wissenschaftlichem Niveau vermitteln, auch deutschsprachige Fassungen vorzusehen.

Der Wissenschaftstheoretiker und Autor von „Citizen Science“ Prof. Peter Finke sagte in seinem Vortrag „Der Realitätsverlust der Wissenschaft“ am 23. 1. 2017 in der Universität Regensburg: „Die Menschen in allen nicht englischsprachigen Kulturen erleben Wissenschaft nicht mehr als die Kraft, die ihre Probleme zu lösen versucht, sondern als Aktivität von Experten wie auf vielen anderen Feldern auch, zu denen Zugang zu gewinnen und auf die Einfluss zu nehmen schon aus Sprachgründen kaum möglich ist.“ – Ein bedenkenswerter Satz!

icon zum Offenen Brief des ADAWIS an Frau Prof. Wanka ( Dateityp pdf 92.33 KB)





Vortragsankündigung LMU

„Lehre nur auf Englisch? Akademische Sprachpolitik gegen Recht und Verfassung“ - Vortrag von Prof. Axel Flessner an der Ludwig-Maximilians-Universität München am 17. Januar 2017

An deutschen Hochschulen werden immer mehr Studiengänge ausschließlich in englischer Sprache angeboten. Der Referent zeigte auf, dass es das Grundgesetz (GG) verbietet, die deutsche Sprache aus der deutschen akademischen Lehre zu verdrängen. Die Ausbildungs- und Berufsfreiheit der Studierenden (Art. 12 GG), die Berufs- und Wissenschaftsfreiheit der Hochschullehrer (Art. 5 und 12 GG), das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Studierenden und Lehrenden (Art. 2 GG), das Verbot der Diskriminierung und Privilegierung wegen der Sprache (Art. 3 GG), das Demokratiegebot für alle staatlichen Institutionen (Art. 20 GG), die Stellung der Universitäten im Bildungssystem und die verfassungsrechtliche Verantwortung des deutschen Staates für seine Sprache verpflichten den Staat, zu gewährleisten, dass man an seinen Universitäten jedes Fach auch auf Deutsch studieren kann.

Der Vortrag fand am 17. Januar 2017 als Kooperationsveranstaltung des Instituts für Deutsch als Fremdsprache der LMU und des ADAWIS statt.

Ein Aufsatz zu der Thematik ist 2015 in der Zeitschrift für Rechtspolitik erschienen.

icon zur Vortragsankündigung ( Dateityp pdf 274.31 KB)

icon zum Originalartikel in der Zeitschrift für Rechtspolitik ( Dateityp pdf 398.59 KB)





Deutsch 3.0 - Debatten über Sprache

Die Dokumentation der Veranstaltung des ADAWIS im Rahmen der Initiative „Deutsch 3.0" des Goethe-Instituts ist erschienen.

Am 16. Oktober 2014 veranstaltete der ADAWIS zusammen mit dem Goethe-Institut im Rahmen der Initiative „Deutsch 3.0" die Diskussionsveranstaltung

„Die Sprache von Forschung und Lehre: Bindeglied der Wissenschaft zu Kultur und Gesellschaft?"

Die Dokumentation der gesamten Veranstaltung ist nun in Buchform erschienen. Das Buch hat 80 Seiten und kann gegen eine Schutzgebühr von 5,- € über den Buchhandel oder den ADAWIS bezogen werden (ISBN 978-3-00-054045-5).




Manifest gegen "English only" an niederländischen Universitäten

Eine Gruppe niederländischer und belgischer Wissenschaftler wandte sich mit diesem Manifest an die Öffentlichkeit, um gegen den unbedachten Gebrauch des Englischen als Lehrsprache an niederländischen Universitäten ein Zeichen zu setzen. Die Argumente decken sich mit denen des ADAWIS.

icon Niederländisches Manifest zur Wissenschaftssprache ( Dateityp pdf 29.11 KB)





Deutsch 3.0 - Debatten über SpracheBegrüßung durch Goethe-InstitutBegrüßung durch ADAWISImpulsvortragPodiumsdiskussion

„Die Sprache von Forschung und Lehre - Bindeglied der Wissenschaft zu Kultur und Gesellschaft?"

Veranstaltung des ADAWIS und des Goethe-Instituts am 16. Oktober 2014

Im Rahmen der Initiative „Deutsch 3.0" des Goethe-Instituts organisierte der ADAWIS am 16. Oktober 2014 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Die Sprache von Forschung und Lehre - Bindeglied der Wissenschaft zu Kultur und Gesellschaft?" Im Mittelpunkt stand die Frage, welche gesamtgesellschaftliche Bedeutung es hat, wenn sich Forschung und Lehre immer mehr aus der Landessprache zurückziehen. Darüber diskutierten Vertreter aus der Politik und der Wissenschaft. Die Moderation besorgte der Politologe und Journalist Dr. Andreas Vierecke. In seinem Impulsvortrag sprach der Linguist Prof. Dr. Christian Fandrych von der Universität Leipzig zum Thema „Monolingualer Habitus oder wissenschaftliche Mehrsprachigkeit? Zur Rolle von Sprache(n) in der Hochschullehre am Beispiel internationaler Programme".

Die gesamte Veranstaltung können Sie hier nachhören:

icon Audio-Aufzeichnung der ADAWIS-Veranstaltung

icon Teilnehmer und Programm der ADAWIS-Tagung ( Dateityp pdf 241.04 KB)

icon Bericht des Goethe-Instituts über die ADAWIS-Veranstaltung

Die Initiative „Deutsch 3.0" umfasste etwa 20 Veranstaltungen, in denen das Goethe-Institut zusammen mit zahlreichen Kooperationspartnern die künftige Entwicklung der deutschen Sprache mit Experten aus Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft interdisziplinär diskutierte. In dieser Kampagne, die etwa ein Jahr dauerte und am 1. Dezember 2014 zu Ende ging, spielte das Thema Deutsch als Wissenschaftssprache eine wichtige Rolle.

Hier geht es zu den Berichten über weitere Tagungen, die im Rahmen der Initiative „Deutsch 3.0", zum Teil ebenfalls unter aktiver Beteiligung des ADAWIS, stattfanden:

icon Tagung „Deutsch in den Wissenschaften", Amsterdam, 6. - 7. Februar 2014

icon „Deutsch als Sprache der Geisteswissenschaften: Ursprünge um 1800“, Berlin, 28. Mai 2014

icon Tagung „Wissenschaftssprache Deutsch - international, interdisziplinär, interkulturell", Universität Regensburg, 2. - 4. Juli 2014

icon „Geisteswissenschaften oder Humanities? Deutsch als Wissenschaftssprache“, Essen, 4. November 2014

icon „DeutschING – Brauchen Ingenieure Deutsch?“ Darmstadt, 13. November 2014

icon „Deutsche Fachsprache als Standortvorteil für den wirtschaftlichen Erfolg“, Rat für Deutschsprachige Terminologie, Berlin, 28. November 2014

Auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft berichtete über die Projektreihe „Deutsch 3.0" und das wichtige Thema Wissenschaftssprache.

icon zum Bericht des Stifterverbandes





Die TU München stellt auf Englisch um

Die Technische Universität München (TUM) hat beschlossen, bis zum Jahre 2020 in fast allen weiterführenden Studiengängen die Lehrsprache auf Englisch umzustellen. Eine Möglichkeit, diese Fächer auch auf Deutsch zu studieren, soll es dann nicht mehr geben. Die Studenten sowie einige namhafte Politiker stehen diesem radikalen Vorhaben skeptisch gegenüber.

Lesen Sie zu der geplanten Einführung von Englisch an der TUM

icon die Pressemitteilung des ADAWIS ( Dateityp pdf 121.86 KB)

icon und die Stellungnahme der Bundesfachschaftentagung Elektrotechnik





Zunehmende Kritik von Studenten an ausschließlich englischsprachiger Lehre

Die Absicht von immer mehr Hochschulen (aktuell z. B. der TU München), große Teile der Lehre eigenmächtig und unter Hinnahme didaktischer, kommunikatorischer und integratorischer Verluste auf „English only“ umzustellen, macht mittlerweile auch Studenten nachdenklich. Eine Fachschaftsvertretung der Universität Hamburg (UHH) lud deshalb im Mai 2014 Dozenten und Studenten zu einer Podiumsdiskussion. H.H. Dieter, Vorstandsmitglied des ADAWIS, nahm daran teil und warb, ebenso wie andere Kollegen von der UHH, für differenzierte Mehrsprachigkeit im Sinne der HRK-Empfehlung vom November 2011 – auch in naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen. Die Argumente gegen „English only“ lösten bei den Studenten einige Kritik an den Absichten ihrer Dozentenschaft aus. Dem Vertreter des ADAWIS drängte sich während der Diskussion der Eindruck auf, dass eine ausschließlich englischsprachige Lehre möglicherweise das nicht offen benannte Ziel verfolgt, zu Lasten des universitären Bildungsauftrags die Studenten lediglich für eng umrissene Tätigkeiten in international aufgestellten Unternehmen zu konditionieren. Im Fachbereich Chemie der UHH scheint dagegen ein zweisprachiges Lehr-Modell gut zu funktionieren und auch breite Akzeptanz zu finden.

Auch an der Universität Heidelberg zeigen sich Studenten gegenüber dem Thema sensibilisiert. Im Juni 2014 veröffentlichte dort die Studentenzeitschrift „Ruprecht“ auf Seite 2 ein „PRO und CONTRA“ zur ausschließlich englischsprachigen Lehre.

icon PRO englischsprachige Lehre

icon CONTRA englischsprachige Lehre





Anträge bei der österreichischen Forschungsförderungsorganisation FWF nur in englischer Sprache

Seit einiger Zeit verlangt der Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF), das österreichische Pendant zur DFG, dass Anträge nur in englischer Sprache gestellt werden dürfen. Die Sprachvorgabe gilt selbstverständlich auch für die Begutachtungen und Berichte. Deutschsprachige Gutachter sollen nicht mehr hinzugezogen werden. Gerade in den Geisteswissenschaften, die ja schon immer mehrsprachig agierten, führt dies zu einer katastrophalen Verarmung. Eine Petition, die von etwa 3000 Wissenschaftlern aus fast ganz Europa sowie den USA unterzeichnet wurde und das Ziel hatte, Deutsch als Antragssprache wieder zuzulassen, blieb erfolglos. Auch ein jüngst bewilligter germanistischer Sonderforschungsbereich zum Thema „Deutsch in Österreich“ ist von diesem Diktat betroffen. Lesen Sie hierzu die

icon Beobachtungen eines österreichischen Sprachwissenschaftlers. ( Dateityp pdf 31.5 KB)





„Abschied von Mutter Sprache" von Karl-Heinz Göttert (S. Fischer Wissenschaft, Frankfurt 2013)

Das Buch „Abschied von Mutter Sprache“ ist ein Plädoyer für ein Miteinander von Sprachenvielfalt und der Weltsprache Englisch, das auch in den Wissenschaften zu gelten habe. Dieses „Sowohl-als-auch“ ist genau die Position des ADAWIS. Warum der Autor trotzdem die Vertreter des ADAWIS angreift und sie in die Ecke eines „konservativen" Lagers stellt, ist daher unverständlich. Wahrscheinlich ist ihm nicht klar, wie weit in vielen Disziplinen das Englische die Einzelsprachen schon verdrängt hat und dass hier eine Stärkung der letzteren erforderlich wäre, um das geforderte „Sowohl-als-auch“ zu verwirklichen.
Leider enthält das Buch einige sachliche und fachliche Mängel, die dringend einer Richtigstellung bedürfen:

icon Richtigstellungen zu dem Buch von K.-H. Göttert ( Dateityp pdf 43.23 KB)