Auch zahlreiche Autoren außerhalb des ADAWIS haben sich kritisch zu der Einengung der Wissenschaftskommunikation auf die englische Sprache geäußert. Hier eine Auswahl.


Peter Strohschneider: „Vielfalt von Wissenschaftssprachen" (Auszüge)

 

Peter Strohschneider ist Professor für Germanistische Mediävistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Plädoyer für die „Vielfalt von Wissenschaftssprachen" erschien in der Festschrift für Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Theodor Berchem „20 Jahre Wandel durch Austausch", Deutscher Akademischer Austauschdienst, S. 227-233 (2007).


Siegfried Gehrmann: „Die Kontrolle des Fluiden - Die Sprachlichkeit von Wissenschaft als Teil einer neuen Weltordnung"

 

Dieser Dieser lesenswerte Aufsatz stellt die Sprachlichkeit von Wissenschaft in die größeren Zusammenhänge der Ökonomisierung und Globalisierung. Den Hintergrund für die gegenwärtige Entwicklung bilden „neue Formen gesellschaftlicher und politischer Machtausübung, die Kommunikations- und Informationsströme global kontrollieren und steuern … wollen“. In der Macht von Zitatenindices etwa spiegelt sich die Orientierung an einem hegemonialen Wissenschaftsmarkt wider, der differente Weltdeutungen nicht mehr zulässt. Mögliche Alternativen zu dieser Entwicklung werden aufgezeigt.

Der Aufsatz erschien in dem Buch „Bildungskonzepte und Lehrerbildung in europäischer Perspektive". Hrsg.: Siegfried Gehrmann, Jürgen Helmchen, Marianne Krüger-Potratz, Frank Ragutt. Waxmann-Verlag, Münster/New York, 2015.


Klaus-Dieter Lehmann: „Welche Sprachen spricht die Wissenschaft?"
Forschung und Lehre Nr. 5 (2012)

 

In einem „Standpunkt" in der Zeitschrift Forschung und Lehre fasst der Präsident des Goethe-Instituts, Prof. Klaus-Dieter Lehmann, die Argumente zusammen, warum Deutsch als Sprache der Wissenschaft wieder gestärkt werden muss.


Roland Kaehlbrandt: „Ein angespanntes Verhältnis? Über Wissenschaftssprachen und Allgemeinsprache"
Forschung und Lehre Nr. 10 (2012)

 

Dem Vorurteil zum Trotz, Fachsprachen seien unverständlich und die Allgemeinsprache sei unpräzise, zeigt der Autor in diesem Aufsatz die Brücken zwischen Wissenschafts- und Allgemeinsprache auf.


Peter-André Alt: „Die sprachlose Forschung"
Tagesspiegel vom 1. 10. 2011

 

Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin, sieht in der Einengung der wissenschaftlichen Kommunikation auf die englische Sprache eine stilistische Verarmung, die auch inhaltliche Folgen hat. „Globale Verständigung, wie sie das Englische gewährt, sollte die Individualität gelehrter Sprachen nicht ausschließen. Zu erhalten ist die Vielfalt und Nuanciertheit des individuellen Ausdrucks auch dort, wo es um scheinbar exklusive Forschung geht. Nur so kann Wissenschaft durch die Klarheit ihrer Aussagen breiter wirken und eine ihrer vorzüglichsten Aufgaben erfüllen: die, ein Vorbild zu sein für genaues Denken." Hier geht es zu dem Artikel „Die sprachlose Forschung".


Dieter Schönecker: „Keine Kant-Forschung ohne Deutsch"
Forschung und Lehre Nr. 12 (2011)

 

Dieter Schönecker, Professor für Praktische Philosophie an der Universität Siegen, zeigt in diesem Artikel, dass in einigen Bereichen der Philosophiehistorie Deutsch als Wissenschaftssprache absolut unverzichtbar ist. Für ein genaues Verständnis eines Textes ist es unabdingbar, diesen in der Sprache lesen zu können, in der er verfasst wurde. Denn Texte sind nicht ohne erheblichen Verlust übersetzbar. Das heißt: Forscher, die über Kant arbeiten, müssen Deutsch zumindest passiv beherrschen. Trotzdem kann man es erleben, dass Tagungen in Deutschland über Kant oder Hegel nur in englischer Sprache durchgeführt werden. Die Wissenschaftsinstitutionen wie die DFG, der DAAD oder die AvH werden aufgerufen, etwa über Stipendien für deutschsprachige Sommerschulen für deutsche Philosophie oder für Sprachkurse nachzudenken.


Axel Flessner: „Die Bedeutung von Wilhelm von Humboldts Sprachdenken für die Rechtswissenschaft"

 

Aus Anlass des 200. Geburtstages der Humboldt-Universität zu Berlin im Jahre 2010 gab deren Juristische Fakultät eine Festschrift heraus, die im Verlag de Gruyter erschienen ist und aus der dieser Beitrag von Axel Flessner entnommen wurde. Axel Flessner ist emeritierter Professor für Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität.

Der Autor beruft sich auf Wilhelm von Humboldt, der nicht nur Staatsmann und geistiger Vater der Berliner Universität war, sondern auch die Sprachwissenschaft geprägt hat. Ausgehend von Humboldts Sprachphilosophie wird deren Bedeutung für die Rechtswissenschaften, aber auch für die Wissenschaft im Allgemeinen aufgezeigt. Hieraus werden Perspektiven für eine zukünftige Sprachpolitik an Universitäten abgeleitet, welche sich nicht von einer Engführung auf das Englische leiten lassen sollte.


Winfried Thielmann: „Dreamliner in Richtung Scholastik - Über die Anglifizierung der europäischen Wissenschaft"
Forschung und Lehre Nr. 10 (2010)

 

Winfried Thielmann, Professor für Deutsch als Erst- und Zweitsprache an der TU Chemnitz, stellt eine Parallele zwischen der heutigen Einengung auf ein englisches Einheitsidiom in den Wissenschaften und der lateinischen lingua franca zur Zeit der Scholastik fest. Er stellt die Frage nach den „Konsequenzen für wissenschaftliche Innovationen, wenn Wissenschaft in einer Sprache betrieben wird, in der nur ein Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu Hause ist".


K. Petereit und E. Spielmanns-Rome: „Sprecht Deutsch mit uns! Ausländische Studierende in englischsprachigen Studiengängen wollen mehr Deutsch lernen"
Forschung und Lehre Nr. 3 (2010)

 

Ausländische Studierende, die bei uns englischsprachige Studiengänge absolvieren, erhalten oft keine Gelegenheit, Kenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben oder anzuwenden. Mehrere Evaluationen, die das Fachbüro für internationales Bildungsmanagement (FiB) durchgeführt hat, zeigten nun, dass diese Studenten sich ausgegrenzt fühlen und mit ihrem Aufenthalt in Deutschland unzufrieden sind. Sie fordern: „Sprecht Deutsch mit uns!" Die Annahme, dass ein „deutschfreies" Studium in Deutschland dessen Attraktivität als Studienstandort steigert, bestätigte sich also nicht.


Hans Joachim Meyer: „Nur Mut zu einer Reform der Reform"
Forschung und Lehre Nr. 8 (2009)

 

Dieser Aufsatz zeigt, dass der radikale Umbau des Studiensystems in Deutschland wesentliche Ziele nicht erreicht und mit „Bologna" wenig zu tun hat. Die Behauptung, mit dem Bachelor und dem Master würden international anerkannte Grade eingeführt, ist grundfalsch.

Prof. Hans Joachim Meyer ist Anglist und ehemaliger Minister für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen.


Hans Joachim Meyer: „Die Exzellenzinitiative - Auszeichnung von wissenschaftlicher Leistung oder Strukturen"

 

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Meyer, ehemaliger sächsischer Staatsminister, legt in diesem Vortrag, den er im Rahmen des Hochschulgesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung in Cadenabbia am 19. Juni 2010 hielt, eine scharfsinnige und sehr differenzierte Analyse der Exzellenzinitiative vor. Er weist auf die Chancen hin, die der Exzellenzwettbewerb für die deutschen Hochschulen bietet, zeigt aber auch die Gefahren auf, welche zum Beispiel durch ideologische Konzepte, die die Verantwortlichen verfolgen, heraufbeschworen werden. Die Verabschiedung von der deutschen Wissenschaftssprache gehört zu diesen Konzepten. Eine gekürzte, schriftliche Fassung des Vortrags erschien in Forschung und Lehre Nr. 8 (2010).


John Airy, Cedric Linder: „Language and the experience of learning university physics in Sweden"
Eur. J. Phys. 27, 553-560 (2006)

 

Die Autoren dieser Untersuchung stellen fest, dass selbst bei Studenten mit sehr guten Englischkenntnissen die wissenschaftliche Lehre in der Muttersprache (hier Schwedisch) messbar wirksamer ist als auf Englisch. Untersuchungen dieser Art auch im deutschsprachigen Raum sind überfällig.


Stefan Klein: „Dümmer auf Englisch"
FAZ vom 6. 7. 2007

 

Der bekannte Wissenschaftsjournalist, Biophysiker und Autor international erfolgreicher Sachbücher hat die von Deutschen für Deutsche auf Englisch durchgeführte öffentliche Fachtagung „Gedankenforscher" in Berlin mitverfolgt. In einem FAZ-Artikel vom 6. 7. 2007 erklärt er, warum die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte in einer Fremdsprache auf Kosten der Anschaulichkeit geht und eine persönliche Identifizierung mit dem Gegenstand erschwert.


Konrad Paul Liessmann: „Platz für die Elite"
Freitag 24. 6. 2006

 

Hinter der neuen Faszination für die akademische Auslese steckt ein Projekt der Gegenaufklärung. Der Professor für Philosophie an der Universität Wien geißelt die neuen akademischen Elite-Vorhaben als Festungsbauten, deren Durchsetzbarkeit davon abhängt, inwieweit es gelingt, eine globalenglische Wissenschaftssprache im deutschen Sprachraum zu etablieren. Der abgedruckte Text ist ein Auszug aus seinem Buch „Theorie der Unbildung" aus dem Wiener Verlag Zsolnay.


Claudia Zingerli et al.: „Kommunikationskompetenz - Eine Bedingung für erfolgreichen Wissensaustausch"
GAIA 18, 264-266 (2009)

 

In der umweltwissenschaftlichen und -politischen Zeitschrift GAIA beschreiben beschreiben Zingerli et al., welche Kommunikationskompetenzen Voraussetzung für erfolgreichen Wissensaustausch zwischen Forschung, Verwaltung und Alltags-Öffentlichkeit sind. Kommunikationskompetenz äußert sich in der Fähigkeit, sich verständlich auszudrücken und die Perspektive zu wechseln, denn die am Wissensaustausch Beteiligten bringen z. T. sehr unterschiedliche (Alltags-)Sprachen, Kenntnisse, Erfahrungen, Motivationen, Erklärungsmuster, Weltbilder, Referenzsysteme und Interessen mit. Man spricht von unterschiedlichen Wissenskulturen und Denkstilen, die alle ihre Gültigkeit besitzen. Zahlreiche Fallbeispiele zeigen, dass beispielsweise Umweltprobleme sich nur durch Verknüpfung der Wissenssysteme von Forschung, Verwaltung und Praxis lösen lassen. Dementsprechend sollten in solchen Austausch-Prozessen „alle Beteiligten ihre eigene Sprache sprechen können“.

ADAWIS versteht diese eindeutige Beobachtung als Plädoyer dafür, die Alltagssprache wissenschaftstauglich und die Wissenschaftssprache alltagstauglich zu halten. Der Weg der Universitäten und der Forschung in die Einheitssprache Englisch selbst im Inland ist deshalb ein Irrweg, der die gesellschaftliche Auseinandersetzung zwischen Fachwelt und Öffentlichkeit über das WOHIN, das WIE und das WARUM neuer Forschungsmethoden und Ziele immer stärker behindern wird.


Marco Baschera: „Englisch allein als Wissenschaftssprache genügt nicht."
Neue Zürcher Zeitung vom 19. 3. 2010

 

Dieser Artikel ist ein Plädoyer für Mehrsprachigkeit in den Wissenschaften. Der Verfasser begründet diese Forderung damit, dass Denken und Sprache untrennbar verbunden sind, und wendet sich damit gegen die von Florian Coulmas ebenfalls in der NZZ vertretene These, wonach es ein „vorsprachliches Denken" gäbe. Marco Baschera ist Titularprofessor für französische, allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich.