Neueste Meldungen des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache:


Positionspapier des Wissenschaftsrates zur Wissenschaftskommunikation - Stellungnahme des ADAWIS

 

In seinem Positionspapier "Impulse aus der COVID-19-Krise für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland" benennt der Wissenschaftsrat u.a. die in der Krise hervorgetretenen Herausforderungen, die die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit betreffen. Wenn das Papier völlig zu Recht fordert, dass Wissenschaftskommunikation in die Ausbildung unserer Akademiker integriert werden muss, wäre daraus zu folgern, dass auch die Landessprache in der Lehre eine Rolle spielen muss.

Lesen Sie hierzu die ausführliche Stellungnahme des ADAWIS.


Protest gegen diskriminierende Preisauslobung

 

Der Verlag de Gruyter hat einen Preis für die „beste wissenschaftliche Monographie“ junger Altertumswissenschaftler ausgelobt. Bedingung: Texte kommen nur in die Auswahl, wenn sie auf Englisch verfasst sind, es dürfen auch keine Übersetzungen sein.

Dagegen protestierten in einem Offenen Brief über 100 Wissenschaftler weltweit sowie der Vorstand des Philosophischen Fakultätentages. Die Unterzeichner weisen darauf hin, dass englische Muttersprachler damit privilegiert werden. „Nachwuchswissenschaftler in Europa und darüber hinaus“, die eine potenziell „weltweit beste" Arbeit primär nicht auf Englisch verfasst haben und echte Internationalität auch mit Vielsprachigkeit verbänden, würden diskriminiert. Da die aktuelle Ausschreibung es nicht einmal zulässt, eine professionelle Übersetzung einzureichen, seien junge mehrsprachige, aber nicht anglophone Altertumswissenschaftler von der Teilnahme von vorneherein ausgeschlossen.

Den Offenen Brief finden Sie hier:

Der ADAWIS hat sich dem Protest mit einer Pressemeldung angeschlossen.


Schwerpunktheft der Deutschen Universitätszeitung zum Thema Wissenschaftssprache

 

Die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) widmet ein Schwerpunktheft dem Thema Wissenschaftssprache (DUZ Wissenschaft & Management, Ausgabe 10/2020, 4. 12. 2020). Zahlreiche Beiträge – auch von mehreren ADAWIS-Mitgliedern – beleuchten die Einführung von Englisch als einziger Lehrsprache an Hochschulen kritisch im Hinblick auf kulturelle, integrationspolitische, kognitive und juristische Gesichtspunkte. Hier die einzelnen Beiträge:

Zwei weitere Aufsätze, die im Rahmen des DUZ-Schwerpunktes (z.T. leicht gekürzt) im Netz veröffentlicht wurden, sind hier in voller Länge verfügbar:

  • Lidia Becker und Elvira Narvaja de Arnoux: Utopie der Universalsprache Englisch – Über Missverständnisse und offene Fragen der Anglophilie an deutschen Hochschulen im internationalen Vergleich
  • Peter Finke und Hermann H. Dieter: Das Anthropozän beenden – Was „English only“ mit der Zukunft der Erde zu tun hat

Das ist nicht exzellent, das ist ignorant!
Blog-Beitrag des ADAWIS

 

Ein Blog-Beitrag des ADAWIS auf der Seite des bekannten Wissenschaftsjournalisten und -kommunikators Jan-Martin Wiarda zu „English only" an der in Gründung befindlichen Technischen Universität Nürnberg und zu der geplanten Novelle des bayerischen Hochschulgesetzes, die rein englischsprachige Studiengänge im grundständigen Bereich ohne deutschsprachiges Pendant ermöglichen soll, hat eine breite Diskussion ausgelöst.

Lesen Sie hier den Beitrag und zahlreiche scharfsinnige Kommentare!


Wissenschaftskommunikation in Krisenzeiten
Oder: Wer sagt, Deutsch solle als Wissenschaftssprache nicht überleben, sollte wenigstens über ausreichende Englischkenntnisse verfügen.

 

Gerade in Zeiten wie denen der Coronavirus-Pandemie wird deutlich, wie wichtig verständliche Sprache für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Laienöffentlichkeit ist. Hierbei kann der Virologe Christian Drosten den meisten seiner Kollegen ein Vorbild sein. Seine Fähigkeit, Fakten zu erklären und dabei auch für die Ambiguität wissenschaftlicher Erkenntnis zu sensibilisieren, schafft Vertrauen.

Ein Konflikt brach auf zwischen Drosten und seinem Virologen-Kollegen Kekulé, als letzterer eine Vorab-Veröffentlichung Drostens heftig kritisierte (obwohl er selbst rein gar nichts zu dem Thema publiziert hat). Laut Tagesspiegel vom 29. 5. 2020 schreibt Kekulé, dass Drosten behaupte, die Daten „belegen“, dass Covid-19-infizierte Kinder ähnlich ansteckend wie Erwachsene seien. Im Originaltext schrieb Drosten jedoch – vorsichtig, wie es seriöse Wissenschaft gebietet, die Daten würden „darauf hinweisen“ (englisch „indicate“).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich Kekulé (auch) als scharfer Verfechter für „English only“ in der Wissenschaft hervortut (hier nachzulesen). Offenbar scheinen allerdings seine eigenen Englischkenntnisse nicht weit zu reichen, sonst hätte er das englische Verb „indicate“ nicht so grundlegend falsch auffassen können.

Immer wieder beklagt der ADAWIS ein Absinken der Qualität des wissenschaftlichen Diskurses im Gefolge von „English only“. Kekulés falsche Übersetzung von „indicate“ ist dafür symptomatisch.


Bayern: „English only“ jetzt auch im grundständigen Studium möglich!
Oder doch nicht?

 

Nach einem Grundsatzschreiben des bayerischen Wissenschaftsministeriums aus dem Jahre 2016 konnte ein rein englischsprachiger Studiengang im grundständigen Bereich nur dann genehmigt werden, wenn er parallel auch in deutscher Sprache angeboten wurde. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) erscheint diese „geltende Rechtslage nicht mehr zeitgemäß“, er möchte daher bei der nun anstehenden Novellierung des Bayerischen Hochschulgesetzes auch im grundständigen Bereich fremdsprachige Studiengänge ermöglichen.

In einem Schreiben vom 30. 9. 2019 an die Präsidien aller staatlichen Hochschulen in Bayern, welches dem ADAWIS vorliegt, stellt der Minister mit Blick auf die Dauer des Gesetzgebungsverfahrens diesen „anheim, bereits im Vorgriff auf die beabsichtigte Gesetzesänderung fremdsprachige Studiengänge auch im grundständigen Bereich einzuführen“. Da jedoch Fremdsprachenkenntnisse mangels Rechtsgrundlage nicht als Zulassungsvoraussetzung verlangt werden könnten, müsse „bis zur Gesetzesänderung auf die Selbsteinschätzung der Studienbewerberinnen und –bewerber vertraut werden“.

Da die Novelle des Hochschulgesetzes noch lange nicht verabschiedet ist, hat der ADAWIS bei allen bayerischen Hochschulleitungen angefragt, ob sie dem Vorschlag des Ministers jetzt schon folgen werden. Interessanterweise zeigte sich, dass gerade Fachhochschulen und unter diesen eher diejenigen, welche an peripheren Standorten angesiedelt sind, die Pläne des Ministers begierig aufgreifen. Mehr Informationen zu der verfassungsrechtlichen Problematik von Studiengängen, die nicht mehr in der Landessprache studiert werden können, finden Sie hier.

Allerdings scheinen sich im Landtag Bedenken gegen die Pläne zu formieren. Dieser forderte die bayerische Staatsregierung laut Landtagsdrucksache 18/8462 vom 17. 6. 2020 dazu auf, mit der Novelle des Hochschulgesetzes dafür zu sorgen, dass Deutsch als Wissenschafts- und Verkehrssprache in allen Studiengängen weiterhin (oder erneut) gebührend und verpflichtend Beachtung findet. Die entsprechende Beschlussvorlage vom 22. 4. 2020 hatte der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des bayerischen Landtages mit den Stimmen von CSU, SPD, B90/Grünen und der Freien Wähler, jedoch gegen die der AfD, in den Landtag eingebracht; die FDP hatte sich im Ausschuss enthalten.


Quelle: ADAWIS