Neueste Meldungen des Arbeitskreises Deutsch als Wissenschaftssprache:


Das bayerische Hochschulinnovationsgesetz: „English only“ auch im grundständigen Studium möglich?

 

Bereits seit 2019 wird in Bayern über das neue Hochschulinnovationsgesetz diskutiert. Die Novelle sieht vor, dass die bisherige Regelung, wonach ein rein englischsprachiger Studiengang im grundständigen Bereich nur genehmigt werden kann, wenn er parallel auch in deutscher Sprache angeboten wird, nicht mehr gilt. Gleich nach Bekanntwerden dieser Pläne fragte der ADAWIS alle bayerischen Hochschulleitungen, ob sie von der Möglichkeit Gebrauch machen werden, deutschsprachige grundständige Lehrangebote abzuschaffen. Interessanterweise waren es gerade die Fachhochschulen und unter diesen wiederum die kleineren und an peripheren Standorten angesiedelten, welche dies entschieden befürworteten. Informationen zu der verfassungsrechtlichen Problematik von Studiengängen, die nicht mehr in der Landessprache studiert werden können, finden Sie hier.

Allerdings forderte der Landtag die bayerische Staatsregierung laut Landtagsdrucksache 18/8462 schon am 17. 6. 2020 dazu auf, mit der Novelle des Hochschulgesetzes dafür zu sorgen, dass Deutsch als Wissenschafts- und Verkehrssprache in allen Studiengängen weiterhin (oder erneut) gebührend und verpflichtend Beachtung findet. Die entsprechende Beschlussvorlage vom 22. 4. 2020 hatte der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des bayerischen Landtages mit den Stimmen von CSU, SPD, B90/Grünen und der Freien Wähler, jedoch gegen die der AfD, in den Landtag eingebracht; die FDP hatte sich im Ausschuss enthalten.

Gegen den Gesetzentwurf formierte sich erheblicher Protest von Seiten zahlreicher Verbände. Dieser richtete sich v.a. gegen die neu vorgesehenen Organisationsstrukturen. (Da war u.a. von einem „neuen Führerprinzip“ die Rede.) Was die Sprachenpolitik in der Lehre betrifft, meldete sich der ADAWIS mit dieser Stellungnahme zu Wort. Eine ganz ähnliche Einschätzung gaben die Sprachenzentren der bayerischen Hochschulen ab.

Nach zahlreichen Verbändeanhörungen, Diskussionen im Wissenschaftsausschuss, Erklärungsversuchen des damaligen Wissenschaftsministers Bernd Sibler und schließlich dessen Ablösung durch Markus Blume wurde der Entwurf komplett überarbeitet. Hinsichtlich der Sprachenpolitik hat sich gegenüber dem vorangegangenen Entwurf jedoch leider absolut nichts verändert – trotz vieler Interventionen seitens des ADAWIS. Nach der ersten Lesung im Landtag und einer weiteren Anhörung am 20. Juni 2022 wird sich nun der Wissenschaftsausschuss abermals mit dem Gesetz befassen. Der ADAWIS wird weiterhin tätig bleiben. Doch offenbar übt die Staatsregierung erheblichen Druck aus, um den Entwurf möglichst schnell und unbemerkt von der Öffentlichkeit durch das Parlament zu bringen.


Das ist nicht exzellent, das ist ignorant!
Blog-Beitrag des ADAWIS

 

Ein Blog-Beitrag des ADAWIS auf der Seite des bekannten Wissenschaftsjournalisten und -kommunikators Jan-Martin Wiarda zu „English only" an der in Gründung befindlichen Technischen Universität Nürnberg und zu der geplanten Novelle des bayerischen Hochschulgesetzes, die rein englischsprachige Studiengänge im grundständigen Bereich ohne deutschsprachiges Pendant ermöglichen soll, hat eine breite Diskussion ausgelöst.

Lesen Sie hier den Beitrag und zahlreiche scharfsinnige Kommentare!


Positionspapier des Wissenschaftsrates zur Wissenschaftskommunikation - Stellungnahme des ADAWIS

 

In seinem Positionspapier "Impulse aus der COVID-19-Krise für die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland" benennt der Wissenschaftsrat u.a. die in der Krise hervorgetretenen Herausforderungen, die die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit betreffen. Wenn das Papier völlig zu Recht fordert, dass Wissenschaftskommunikation in die Ausbildung unserer Akademiker integriert werden muss, wäre daraus zu folgern, dass auch die Landessprache in der Lehre eine Rolle spielen muss.

Lesen Sie hierzu die ausführliche Stellungnahme des ADAWIS.